Lagerkoller, musikalisch

Derzeit haben alle Theater, Opernhäuser und Konzertsäle ihr Angebot eingestellt. Wir sitzen zu Hause, und sehen uns plötzlich mit einer ganz neuen Aufgabe konfrontiert: Mit uns selbst. Was man tun kann, wenn einem die Decke auf den Kopf fällt. Eine Ideensammlung.


1 – Lesen, die Großmutter aller Unterhaltung

Eine altbewährte Methode des produktiven Zeitvertreibs ist und bleibt das Lesen. In unserem digitalen Alltag tut es manchmal richtig gut, einfach ein Buch herauszuholen und ohne Scrollen und Bildschirmflimmern darin einzutauchen. Zum Glück gibt es inzwischen auch fundierte Fachliteratur, die sich nicht gar so spröde liest. Futter für die grauen Zellen! Für folgende musikwissenschaftliche Standardwerke spreche ich meine wärmste Empfehlung aus.

2 – Mal wieder so richtig ins Detail gehen

Lernen wir, wieder richtig zuzuhören! Die abgenudelte Lieblings-CD kann man jeden Tag auflegen – ich schlage zur Abwechslung mal einen Interpretationsvergleich vor. Gibt es was Schöneres, als sich 18 verschiedene Aufnahmen von Helmut Lachenmanns zweitem Streichquartett anzuhören? Sicherlich. Manche Stücke kann man aber tatsächlich nicht oft genug hören. Mittlerweile gibt es auch Zusammenschnitte, die die Musik bereits aufs Wesentliche reduziert haben, sehr verbraucherfreundlich.

3 – Selbstoptimierung

Da wir jetzt die Eigenarten und Qualitäten der verschiedenen Interpreten aufs Genauste kennen, sollten wir nicht versäumen, auch unsere eigenen Talente weiter zu verfeinern und an uns zu arbeiten. Dank Internet-Tutorials kein Problem, YouTube steht uns mit Rat und Tat zur Seite. Manches ist nämlich gar nicht so schwer, wie man zunächst vielleicht gedacht hat.

4 – Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?

Nun, da alle Feinheiten geschliffen und die letzten technischen Hürden überwunden sind, kommt eventuell die Frage auf, was man damit jetzt anfangen soll – zu Hause, allein und so ganz ohne Publikum. Auch in dieser Situation gibt es Möglichkeiten! Sie haben nicht umsonst geübt. Mit einer gewissen digitalen Grundfitness brauchen Sie nicht mal mehr einen Kammermusikpartner, diesen Part übernehmen Sie selbst. Ob Duo oder Oktett, mit der ‚AcapellaApp‚ können auch die ganz großen Projekte realisiert werden. Zusätzlicher Pluspunkt: Keiner mehr, der Ihre interpretatorischen Vorstellungen nicht teilen will. So harmonisch liefen Quartettproben selten ab.

Wer lieber singt, für den empfiehlt sich die Software ‚mysong‚. Von der Duschkabine direkt zur vollwertigen Komposition. Das Programm unterlegt Ihre engelsgleiche Stimme automatisch mit einer passenden Begleitung, die Sie sich danach immer, und immer wieder anhören können.

5 – Leib und Seele zusammenhalten

Über alle häuslichen Aktivitäten sollten wir aber keinesfalls aufs Essen vergessen!

Die kulinarischen Vorlieben unserer großen musikalischen Vorbilder sind so unterschiedlich wie ihre Musik. So wissen wir von Paganini, dass er – in Ermangelung von Zähnen – am liebsten Kakao trank, wohingegen Brahms gerne auf Austern, Kaviar und Champagner zurückgegriffen haben soll. Da die Wahrheit wie so oft irgendwo in der Mitte liegt, schlage ich vor, mal Beethovens Leibgericht nachzukochen und mit einem Teller Brotsuppe auf seinen (etwas vernachlässigten) 250sten anzustoßen.


Es gibt viele Möglichkeiten, sich in den eigenen vier Wänden musikalisch fit zu halten. Hoffen wir doch alle, dass Kunst und Kultur bald wieder auch in den dafür geschaffenen Räumen gemeinsam gelebt werden kann. In einigen Tagen beginnt der Vorverkauf für die kommende Theatersaison – Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude.

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